Weiden kenne ich solange ich denken, ich mich erinnern kann. In Flussauen von Oder und Elbe aufgewachsen, prägten Weiden das Bild der Landschaft. Unvergesslich für mich sind die Kopfweiden. Die Kätzchen der Weiden mit den summenden Bienen, dem ersten Nektar, sind herbeigesehnte Frühlingsboten. Mit ihnen kommt die schönste Jahreszeit. Dass es vor dem Plastikzeitalter Körbe und andere Behältnisse aus Weiden gab, ist mir etwas Älterem bekannt, ja man kann sagen eingebrannt. Mein Opa hatte ein Hobby, oder wohl besser eine Nebeneinnahme, das Körbeflechten. Für meine Erziehung griff er schon einmal zur Weidenrute.

Auch meinem Lehrer war damals die Rute pädagogisches Hilfsmittel. Heute tauchen Weiden wieder auf vor allem als Weidenkörbe. Von polnischen Bauern der Warthe-, Weichsel und Narew-Niederung billig hergestellt, machen sie sogar preislich dem Plastik Konkurrenz. Optisch schlagen sie den Kunststoff um Längen.. Auch Flechtzäune, Strandkörbe, Beetumfassungen und andere Dekoelemente bis zu den Weidenruten zum Selberflechten, für Tipis und Tunnel finden Sie in Baumärkten, und wenn nicht dort, so doch beim Garten- und Landschaftsbauer. Der schneidet jetzt die Kopfweiden. Über 300 Weidenarten gibt es. Ich kann sie beim besten Willen nicht auseinanderhalten. Und weil sie bastardieren fällt das oft auch Fachleuten schwer, wobei die Korbweide Salix viminalis wohl die bekannteste ist. Früher nahm man einen Weidenpfahl und Draht und koppelte Schaf oder Kuh damit ein. Sofort wuchs der Pfahl an. Durch das jährliche Schneiden der Triebe entwickelten sich am Schnittende Verdickungen, die Köpfe der Weiden, die charakteristischen Bäume des Tieflands. In den Flussauen von Elbe, Rhein und Oder wächst die mächtigste Weide, die Silberweide, Salix alba. Hier hat sie Platz zum Wachsen. Mit dem mehrmaligen Überfluten kommt sie gut zurecht. Bekannt wurde sie durch die Auszeichnung als Baum des Jahres, wobei diese Ehrung auf die wichtigen Auenbereiche hinweisen wollte. Dünne Weidenruten wurden als Bindematerial im Weinbau und zum Bündeln von Baumschulware verwendet. Für Fassreifen spaltete ein Bandreisser dickere Ruten, halbierte sie, ein ausgestorbener Beruf in der Haseldorfer Elb-Marsch, nordwestlich von Hamburg. Heute finden sich Weiden als Energieholz wieder. Unsere Nachbarn im Norden haben hier die Nase vorn und verheizen sie nach dem Häckseln. Weiden sind wirklich vital. Wenn ich sie in den Boden stecke und mit Wasser versorge, wachsen sie sofort an. Im Oderbruch liegen schon mal große Silberweiden flach, gefällt vom Biber. Von ihm abgeschnittene Zweige schwimmen flussabwärts und wurzeln dort wo sie anlanden und wachsen munter drauf los. Man sollte meinen, daß solch ein Biber beim Zerlegen des großen Baumes hätte Kopfweh bekommen müssen. Doch er war wohl der erste, der gemerkt hat, daß die Inhaltsstoffe der Weide auch dagegen helfen. Vor gut 100 Jahren fanden das auch die Menschen heraus und der moderne Mensch nahm die Salicylsäure gleich als Grundlage für ein Geschäft. Als Schmerzmittel Aspirin wurde das Medikament weltweit bekannt. Heute wird der Stoff synthetisch hergestellt. Drei Teile Weidenrinde und ein Teil Lindenblüten mischte meine Oma als Tee gegen Grippe und Fieber. Und gegen Rheuma ergänzte sie ihn mit Birkenrinde, Brennessel und Pfefferminze. Man könnte das heute auch tun, spätestens dann, wenn die vielen Gesundheitsreformen unbezahlbar werden. Heute fragen Sie besser ihren Arzt oder Apotheker. Wenn nicht, so schauen Sie in die Fachliteratur. Besser behalte ich Informationen, wenn ich mich Führungen von Pharmazeuten, Köchen oder Kräuterfrauen in Stolpe anschließe. Alle meine Sinne sind gefordert: sehen, zuhören, die Kräuter fühlen, riechen und schmecken.. Jeden Sonntag um 14.00 Uhr vom Frühling bis zum Herbst werden Themen angeboten. Mehr Informationen zu den Themen und Terminen erhalten Sie über den KräuterPark, Stolpe, www.kraeuterpark.de . Mich finden Sie dort auch ab und an. Wollen Sie selbst Weiden stecken, so warten Sie bis die Blätter gefallen sind, von November bis März gesteckt ist der Erfolg sicher. Aber Vorsicht: Weiden wachsen äußerst vital und können Sie nach einigen Jahren aus ihrem eigenen Garten hinauswerfen, wenn Sie nicht vorher zu Säge oder Spaten greifen.
Bild 1 Vitale Weiden wachsen auch, wenn man sie umgedreht in die Erde steckt
Foto: Paul Schwedtke Bild 2 Frühlingskünder für uns, für die Bienen die erste Nahrung.
Foto: Paul Schwedtke Bild 3 Kopf- und Silberweiden Bäume der Auen
Autorenanschrift:
Paul Schwedtke
Ch.-Ross-Weg 24
24601 Ruhwinkel
Tel. 04323-901015
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!